Pressemitteilung :: 15.06.2010
15. Weltkongress zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung: Europaabgeordnete fordert von Merkel, Blockade zu beenden
Morgen beginnt
in Berlin der 15. Weltkongress von und für Menschen
mit geistiger Behinderung und deren Angehörige. Dazu sagt Elisabeth Schroedter,
Vizepräsidentin des Beschäftigungs- und Sozialausschusses im Europäischen Parlament:
"Die
Bundesregierung spielt wieder einmal Maskerade gegenüber der internationalen Öffentlichkeit.
Den zum Weltkongress nach Berlin angereisten internationalen Gästen spielt sie
die Wundertäterin in der Frage Inklusion vor. Auf der europäischen Bühne
blockiert sie jedoch weiterhin die wichtigste Richtlinie, die in Europa und
Deutschland die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im
Sinne der UN-Konvention ermöglicht.
Für mich
ist es eine Farce, wenn Frau Merkel jetzt in ihrem Grußwort über „Inklusion von
Menschen mit geistiger Behinderung – eine gesellschaftliche Aufgabe“(1) spricht,
obwohl sie kürzlich der spanischen Präsidentschaft signalisiert hat, dass die 5.
Antidiskriminierungsrichtlinie eine zu große Belastung für Deutschland
darstellen würde und deshalb eine Fundamentalopposition gegenüber diesem
wichtigen Gesetz für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen einnimmt. Ich
fordere deswegen Frau Merkel auf, entweder die Maskerade zu beenden und offen
dazu zu stehen, dass sie die Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe
als Recht für Menschen mit Behinderungen ablehnt oder endlich die entsprechende
Gesetzgebung auf Europäischer Ebene zu unterstützen.
Frau
Merkel, geben Sie sich einen Ruck und dem Weltkongress morgen ein Gastgeschenk:
Beenden Sie ihre Blockade gegenüber der wichtigsten Antidiskriminierungsrichtlinie
für Menschen mit Behinderungen!“
(1) Titel
der Videobotschaft von Angela Merkel zur Eröffnung des 15. Weltkongresses „Inklusion
– Rechte werden Wirklichkeit“ am 16. Juni 2010.
Hintergrund
Die
UN-Konvention für die Rechte und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen
mit Behinderungen ist der Kontext des 15. Weltkongresses von Inclusion
International, der morgen eröffnet wird und bis 19. Juni in Berlin tagt. Die Ratifizierung
der UN-Konvention wurde im Dezember 2009 von allen EU-Regierungen beschlossen.
Der Vorschlag für die 5. Antidiskriminierungsrichtlinie ist in ihren
wesentlichen Teilen die rechtliche Umsetzung dieser UN-Konvention. Die
Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament und dem Rat zu diesem Dossier
stocken aufgrund der grundsätzlichen Blockadehaltung der deutschen Regierung.
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