Pressemitteilung :: 27.01.2011
Kohäsionspolitik soll autonome Politik mit eigenem Budget bleiben
Heute
hat der Ausschuss für Regionale Entwicklung seine Stellungnahme zur Mehrjährigen
Finanziellen Vorausschau (MFF) beschlossen. Die MFF legt die Haushaltstruktur
der EU, die Haushaltsmittel und ihre Aufteilung für die Zeit nach 2014 fest.
Die Kohäsionspolitik ist nach der Gemeinsamen Landwirtschaftspolitik der
zweitgrößte Posten im EU-Budget und daher ein wesentlicher Faktor in der
Haushaltsplanung. Elisabeth Schroedter, Co-Koordinatorin der
Fraktion Grüne/EFA im Regionalausschuss, erklärt zur heutigen Abstimmung:
“Ich freue mich, dass
der Regionalausschuss mit seiner heutigen Abstimmung fordert, die
Kohäsionspolitik nach 2014 als eigenständigen Politikbereich zu erhalten. Das
ist ein wegweisender Beschluss für die Reform der Strukturfonds und den
dazugehörigen Haushalt.
Wir Abgeordnete haben
damit Kommissionspräsident Barroso eine Absage erteilt, die traditionelle
Haushaltsstruktur über Bord zu werfen, den Haushalt nach den drei Schwerpunkten
der EUROPA 2020-Strategie neu einzuteilen und territoriale Kohäsion als
Anhängsel der EUROPA 2020-Strategie zu betrachten. Die Versuche von Barroso mögen
nach außen den Eindruck von Kohärenz vermitteln, sie hätten jedoch verheerende
Auswirkungen für die Regionalpolitik der EU. Ein solcher Ansatz würde auf eine
Sektorenpolitik hinauslaufen und integrierte, sektorenübergreifende
Politikfelder, wie die Kohäsionspolitik, zerstören und diese in drei oder vier
Sektoren zerteilen. Für die Regionen entstünde dadurch ein riesiger bürokratischer
Aufwand, weil sie nicht mehr regionale Entwicklungsprogramme fördern könnten,
sondern die Einzelprojekte auf Sektoren aufteilen müssten. Regionale
Entwicklung ist jedoch nicht die Summe von Sektoren, sondern erreicht ihren
Mehrwert dadurch, dass die einzelnen Maßnahmen ineinander greifen und sich
gegenseitig verstärken.
Wir Grüne halten es
zwar für richtig, dass die Programmziele der europäischen Regionalpolitik sich
nach allen in der EUROPA 2020 festgelegten Zielen ausrichten. Aber das Geld muss aus einer
Haushaltslinie kommen, damit es
passgerecht für die Besonderheiten der Regionen eingesetzt werden kann. So wird
es leichter, Synergieeffekte der Einzelinvestitionen zu erreichen, damit
Wohlstand in der EU alle Regionen und alle ihre Bürgerinnen und Bürger
erreicht. Allein an Deutschland sieht man, wie unterschiedlich der Wohlstand in
den einzelnen Regionen ist und wie viel Unterstützung es für schlechter
gestellte Regionen noch bedarf.
Hintergrund-Information
Die Stellungnahme des Regionalausschusses wird jetzt dem zuständigen Sonderausschuss
für die politischen Herausforderungen und die Haushaltsmittel für eine
nachhaltige Europäische Union nach 2013 zugeleitet. Dieser Ausschuss wird die
Parlamentsposition zur Finanziellen Vorausschau formulieren und das Thema Kohäsionspolitik
in seiner Sitzung am 10. Februar 2011 in Brüssel diskutieren.
Kommentar hinzufügen