Pressemitteilung :: 30.05.2012
Nachtflugverbot: Lärmschutz wird auf den Kopf gestellt
Europaweit startete gestern eine
Protestaktion gegen die von der Europäischen Kommission
vorgeschlagene Verordnung über die Neuregelung und Verfahren für
lärmbedingte Betriebsbeschränkungen.
Dazu erklärt Elisabeth Schroedter,
bündnisgrüne Europaabgeordnete:
"Ich unterstütze diese Aktion,
denn der von der Kommission im Dezember vorgelegte Entwurf des
sogenannten Flughafen-Pakets stellt den Lärmschutz auf den Kopf.
Anstatt jeder EU-Bürgerin und jedem EU-Bürger ein Mindestmaß an
Lärmschutz zu garantieren, will die Kommission den Wettbewerb
zwischen den Flughäfen nur über den Kostenfaktor für die Airlines
regeln. Die wahren Kosten des Fluglärms durch Krankheit,
Arbeitsausfall und Wertminderung von Immobilien werden nicht
berücksichtigt. Damit macht sich die Kommission zum Sprachrohr der
Luftverkehrsbranche.
Hier wird ein gewinnorientierter
Betrieb eines Flughafens vor das Schutzbedürfnis und die Gesundheit
der betroffenen Bevölkerung gestellt. Nachtflugverbote werden
dadurch eher aufgehoben als erweitert.
Für die grüne Fraktion im
Europäischen Parlament ist der Schutz der Bevölkerung vor
Verkehrslärm das zentrale Anliegen. Ich fordere den Berliner Senat
und die Brandenburger Landesregierung daher auf, das vom
Aktionsbündnis Berlin-Brandenburg geforderte Nachtflugverbot
anzuerkennen und für die Flughäfen Tegel und Schönefeld
umzusetzen. Es ist ein falsches Signal an Politik und Betroffene, das
Nachtflugverbot für Tegel zwischen Juni und Oktober aufzuweichen.
Jede Bürgerin und jeder Bürger in der
EU hat das Recht auf ein gesundheitsverträgliches Mindestmaß an
Lärmschutz. Deswegen fordern wir, dass der Umgebungslärmrichtlinie
Fachrichtlinien untergeordnet werden, die sich mit den
Lärmbelastungen einzelner Verkehrsträger und anderer Lärmquellen
auseinandersetzen und fachspezifische Mindeststandards einführen.
Leider fehlt der Kommission noch immer der Mut oder das Interesse,
solche Fachrichtlinien vorzuschlagen. Wie wir erleben, setzt sie nun
sogar ökonomische Interessen einer Branche vor den Gesundheitsschutz
der Bevölkerung.
Wir setzen uns weiter mit Nachdruck für
europäische Mindeststandards im Lärmschutz ein, denn sie sind das
einzige Mittel, um den Wettbewerb der Flughäfen auf Kosten der
Gesundheit zu beenden."
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