Pressemitteilung :: 12.07.2012
Reform der Strukturfonds: EU-Parlament hat Chance nicht genutzt
Im
Regionalausschuss ist gestern Abend das Verhandlungsmandat des EP für die
Verordnungen der Strukturfonds abgestimmt worden.
Zum
Ergebnis der Abstimmung erklärt Elisabeth
Schroedter, regionalpolitische Sprecherin der Grünen im Europaparlament und
Mitglied der Verhandlungskommission:
"Ich
bin enttäuscht, dass das EP diese historische Chance nicht genutzt hat, um
einen modernen, weltweit einmaligen, effizienten und inhaltlich zielführenden
Förderrahmen für Europa zu schaffen. Daher konnten wir dem Vorschlag der
Berichterstatter nicht zustimmen.
Die
Kommission hatte mit ihren ambitionierten Vorschlägen versucht, die Ziele des
innovativen, nachhaltigen und inklusiven Europas mit der strukturellen
Förderung von Europas Regionen zu verbinden. Aber die Mehrheit aus EPP, S&D
und ALDE ist dem Lobbying der nationalen Regierungen erlegen und hat alle
Instrumente, welche darauf zielten europäische Werte für europäisches Geld zu
bekommen, geschliffen. Letztendlich kann man das EP-Mandat, welches heute
abgestimmt wurde, zusammenfassen als unambitioniertes
"Weiter-so-wie-bisher“.
Völlig
unverständlich ist für mich, dass die drei Fraktionen den partizipativen Charakter
der Planung und Umsetzung der Strukturfonds, der sich seit 20 Jahren erfolgreich
entwickelt hat, zerstört und eine Zwei-Klassen-Partnerschaft eingeführt haben.
Während
bisher die Vertreter der Sozialpartner und der Zivilgesellschaft und die
lokalen und regionalen Gebietskörperschaften im Begleitausschuss gleichgestellt
waren, erhalten die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften eine Sonderstellung.
Damit wird die Stimme der zivilgesellschaftlichen Gruppen im Begleitausschuss
für die Fonds abgewertet. In der Praxis werden sie dadurch im Zugang zu
Informationen wieder schlechter gestellt. Ebenso hat die Dreierkoalition die Verschärfung
der Umweltprüfung für Großprojekte abgelehnt.
Spätestens
seit Stuttgart 21 wissen wir, dass die partizipative Demokratie ein wichtiges
Instrument ist, um gesellschaftliche Konflikte lösen zu können. Damit könnten
häufig finanzielle Fehlentscheidungen verhindert werden. Die Europäische Union
muss hier voran gehen. Ein „roll-back“ in die Zeit der frühen neunziger Jahre
ist in Zeiten der Europaverdrossenheit das falsche Zeichen.“
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