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Die Schönheiten der Havel - Ein Fahhradtag im Havelland
Himmelfahrt: Fahrradtag im Havelland Die Fähre in Caputh ist
ein geeigneter Treff- und Ausgangspunkt für Radwanderungen entlang der
Havel. Vom Bahnhof Potsdam-Pirschheide kann man der Markierung F1
folgend immer am Nordufer des Templiner Sees entlang fahren, dann
erreicht man sie am besten. Gartenlokale auf der Caputher Seite laden
ein, bei Speis und Trank direkt am Ufer das Treiben der Schiffe, Boote
und Wasservögel auf der Havel zu beobachten. Am Himmelfahrtstag gilt
diese Aussage allerdings nur eingeschränkt. Himmelfahrt ist für die
Havelländer Fahrradtag. Jeder und jede, der oder die einen Drahtesel
besitzt, ist an diesem Tag mit Sicherheit auf zwei Rädern unterwegs.
Die Fahrradwege sind stärker frequentiert als die Straßen und stoßen an
die Grenze ihrer Kapazitäten. Alle Restaurants, selbst die kleinsten
Gartenlokale und Bierkneipen, sind voll besetzt. Der Mangel an
Fahrradständern wird überall offensichtlich. Havelländer
TourismusplanerInnen können bei diesem Anblick die enormen Potentiale,
die dieser Region eigen sind, entdecken. Vorausgesetzt, sie erkennen endlich die Chancen des Fahrradtourismus. Für
die Besatzung der Autofähre Tussi II sind die Fahrradtouristen an
normalen Tagen ein Mitnahmeeffekt. Deshalb dürfen immer erst die Autos
auf die Fähre fahren, ehe die FahrradfahrerInnen den verbleibenden
Platz angeboten bekommen. Heute, am Himmelfahrttag, erweist sich diese
Strategie sich als großer Fehler. Nach drei Autos, davon eines mit
Wohnwagen, und 30 Fahrrädern kann die Fähre niemanden mehr aufnehmen.
30 weitere Radfahrer, die am Ufer zurückbleiben, wenden grollend und
nehmen den Weg über die Eisenbahnbrücke. Sie warten die Rückkehr der
Tussi II nicht ab, obwohl sie ihre Räder über die Brückentreppen
schleppen müssen. Und dann erweist sich auch die Brücke als zu
schmal für die Feiertagsmassen. Es kommt zum Fahrradstau. Wir lassen
uns dadurch jedoch nicht die Laune verderben, sondern freuen uns an den
vielen Radfahren, die heute eindeutig die Mehrheit der
Verkehrsteilnehmer ausmachen. Damit setzen sie ein deutliches Zeichen
für sanfte Mobilität.
Von Geltow nach Alt-Tölpitz Auf
der Geltower Uferseite kehren wir der Eisenbahntreppe den Rücken zu und
nehmen den Weg über den Wentorfgraben am östlichen Havelufer entlang in
Richtung Grube. Erst heißt er "An der Baumgartenbrücke", dann schlicht
"Am Wasser". Er führt uns vorbei an der Geltower Kirche mit dem
hübschen Dach, durch den alten Ortskern. Später trägt er den Namen
"Tannenweg" und dann "Am Zernsee". In Golm müssen wir aufpassen, um den
Mühlendamm zu finden. Sonst ist der Fahrradwanderweg F3 im Vergleich zu
anderen Radwegen im Umland von Potsdam aber relativ gut ausgewiesen.
Auf dem festen Weg lässt es sich wunderbar fahren. Die hohen
Robinien schützen uns vor der Mittagssonne. Gleichzeitig benebelt uns
der honigsüße Duft ihrer Blüten. In diesen Maitagen zeigt die Havel
sich von ihrer schönsten Seite. Die herrliche Mischung aus Blau, Weiß
und Grün im goldenen Glanz der Sonne ist eine Augenweide und die
frische Brise ist für erhitzte Radfahrer ein Genuss. Wo die Robinien
lichter werden, befindet sich die Fahrradbrücke über die Wublitz, ein
Seitenarm der Havel, über die wir die Insel Töplitz erreichen. Wir
verweilen ein wenig auf der Brücke, um den Blick zu genießen. Es ist
schwer zu entscheiden, welcher schöner ist, der auf den Zernsee oder
der auf die Wublitz.
Inselrundfahrt Auf der Insel
Töplitz angekommen, beginnen wir die Rundfahrt in Richtung Süden. Wir
fahren wieder geschützt von Robinien am Naturschutzgebiet entlang nach
Alt-Töplitz. Der Ort schlummert im Mittagsschlaf und ist gar nicht auf
seine Gäste eingestellt. Dabei wird er heute so stark von Radfahrern
frequentiert, wie sonst selten. Und so bleiben wir Fahrradtouristen
unter uns und rätseln, wie wir die Mühlenbergstraße finden, um in die
Flusswiesen zu gelangen. Zum Glück kommen uns andere von dort entgegen
und zeigen uns den Weg. Wir lassen den Ort hinter uns und sind
fernab von den Gartenlokalen an der Havel heute das erste Mal allein
mit der wunderschönen Landschaft. Wiesen und Havel liegen auf einer
Ebene, und das hohe Gras erzeugt den Eindruck, dass die fernen
Segelboote durch die Wiesen fahren. Wir genießen diesen Weg durch die
Uferwiesen und können uns nicht satt sehen an der Schönheit der
Landschaft. Dank einer guten Beschilderung, ist es leicht, dem
Radwanderweg F3.1 zu folgen, vorbei am Ufer des Göttinsees, wie die
Havel jetzt genannt wird, durch seine Wiesen und über die
Obstplantagen, bis wir wieder zur Ostseite der Insel gelangen. Wir
fahren unter der Autobahn hindurch, um den Eichberg herum und gelangen
so zu den Uferwiesen des Schlänitzsees, welcher wiederum ein Teil der
Wublitz ist. Am Ufer der Wublitz entlang und am Leester Reiterhof
vorbei kommen wir auf die Potsdamer Straße. Hier verlassen wir den
geschützten Bereich des Fahrradweges und treten wieder in Konkurrenz
zum Autoverkehr. Über die Autobrücke verlassen wir die Insel.
Krauses Biergarten und die Gefahren im Wildpark Es
gibt unzählig schöne Biergärten an der Havel, aber selten sitzt man
mitten im Gemüsegarten, wie in "Krauses Biergarten". Dieser liegt im
Zentrum von Grube, hinter der Kirche, mit Blick auf die Wublitz. Hier
werden wir mit selbstgebackenen Kuchen verwöhnt. Aus der privaten
Stereoanlage klingt die obligatorische Herrentagsmusik so dezent, dass
sie als Stimmungsmacher ausreicht und trotzdem Gespräche zulässt. Weil
wir von den Havelwiesen und dem Duft der Robinienblüten noch nicht
genug haben, nehmen wir auf dem Rückweg wieder den Uferweg östlich der
Wublitz, werden zweimal von "Autothomas", einem KFZ-Mechaniker, der den
Fahrradweg zu seiner Rennstrecke erklärt hat, zur Seite gescheucht, und
verlassen in Golm die wunderschöne Havellandschaft mit ihren Seen. Von
Golm geht es über Eiche, vorbei an der Satellitenstation der Telekom,
in Kuhfort links durch den Wildpark auf dem Hegemeisterweg zurück zum
Bahnhof Potsdam-Pirschheide. Hier ist ein Kompass hilfreich, denn die
Ausschilderung im Wildpark ist so mangelhaft, dass das Risiko, sich zu
verfahren, sehr hoch ist. Da selbst in der touristischen Hochsaison an
diesem Bahnhof nur stündlich ein Zug in Richtung Potsdam Hauptbahnhof
hält, ist es geschickter gleich mit dem Rad in ca. 15 Minuten durch die
Stadt zum Hauptbahnhof zu fahren.
Liebeslied an die Havel Vielen
mag diese Wegbeschreibung von 40 Kilometern Uferfahrt wie ein
Liebeslied an die Havel klingen. So ist sie auch gemeint. Die Havel und
ihre Uferwiesen sind in größter Gefahr. Noch immer hat die
Bundesregierung die Pläne, die Havel zu einer Wasserstraße für
Europaschiffe auszubauen, nicht aufgegeben. Auch im neuen
Bundesverkehrswegeplan für das nächste Jahrzehnt ist der Flussausbau
als feste Größe eingeplant. Die Hochwasserschäden des letzten Sommers
waren wohl nicht verheerend genug, um zu verstehen, was passiert, wenn
man den Flüssen nicht ihren Raum lässt. Immer noch ist geplant, mit
Geldern des Europäischen Regionalfonds, Potsdam die größte touristische
Attraktion zu nehmen und die Seenkette der Havel durch Vertiefung des
Flusses zu entwässern.
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Bilder zu Schönheiten der Havel
Insel Töplitz nahe der Wublitz
An der Havel
Sonnenuntergang über der Havel
Uferbereich an der Wublitz
Großer Zernsee
Wublitz
Uferrestaurant an der Caputher Fähre
Caputher Fähre
Im Robinienschatten
Robinienblüte
Fahrradbrücke über die Wublitz
Insel Töplitz - ufernahe Havelwiesen
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